Mitgliederdarlehen als alternative Finanzierungsmöglichkeit im gemeinnützigen Verein

Mitgliederdarlehen als alternative Finanzierung im gemeinnützigen Verein

  • Einleitung: Was sind Mitgliederdarlehen und warum werden sie genutzt
  • Vor- /Nachteile dieser Finanzierungsform
  • Rechtliche Fallstricke (Achtung, keine Rechtsberatung!)
  • Aber bitte transparent!
  • Mitgliederdarlehen plus X – nicht nur Mitglieder unterstützen Ihren Verein

Mitgliederdarlehen als alternative Finanzierungsmöglichkeit im gemeinnützigen Verein

Mitglieder haben eine hohe emotionale Verbindung zum Verein. Hier treibt man Sport, musiziert und trifft Freunde. Das gilt, man mag es kaum glauben, auch heute noch. Kein Wunder also, dass viele Vereine diese Verbundenheit in der Vergangenheit auch finanziell genutzt haben. Entweder klassisch durch Spenden oder wenn es mal etwas mehr sein muss, durch Mitgliederdarlehen von privaten Investoren. Doch wann und warum lohnt sich diese Form des Kredits für Vereine und wie können auch Sie ein solches Darlehen für eine Finanzierung in Ihren Verein nutzen?

Wenn die Liquidität des Vereinshaushalts allein nicht ausreicht

Kredite werden im Verein meist dann zum Thema, wenn es darum geht ein größeres Projekt zu finanzieren und eine Förderung nicht möglich ist oder nicht ausreichend ist. Dass Mitgliederdarlehen Gerüchten zufolge auch schon genutzt wurden, um einzelne Vereine vor dem endgültigen Aus zu retten, soll zwar kurz angemerkt sein, für diesen Artikel aber keine größere Rolle spielen. Hier sollen Mitgliederdarlehen als Erweiterung zu klassischen Finanzierungsmöglichkeiten des Vereins und nicht als letztmöglicher Ausweg genauer beleuchtet werden.

Betrachten wir also den Fall großer Investitionen in die eigene Infrastruktur des Vereins. Müssen zum Beispiel Tennisplätze saniert oder das Vereinsheim erweitert werden, kommen in der Regel außerordentliche Mehrkosten auf den Verein zu, für die die eigene Liquidität oftmals nicht ausreicht. Doch warum geht der Verein nicht einfach zur Bank?

Doch warum geht der Verein nicht einfach zur Bank?

Vereine haben gegenüber Unternehmen einen großen Nachteil, wenn es um die Finanzierung eines Projektes geht. Sie können meistens nicht aus der Vielzahl an verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten wählen, die Unternehmen zur Verfügung stehen. Alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie beispielsweise Leasing oder Factoring, welche eine ganz andere Art der Unternehmensfinanzierung darstellen, stellen für Vereine oftmals gar keine Alternative dar. Für sie war seit Jahren der klassische Bankkredit die einzige Möglichkeit zur Beschaffung von Kapital. Doch für viele ist der Banktermin in der Zwischenzeit recht unerfreulich geworden. Die Gründe hierfür sind schnell erklärt. Zumeist haben Vereine – anderes als Unternehmen – nicht die Möglichkeit große finanzielle Rücklagen anzusparen. Außerdem werden die Anlagen wie Vereinsheim und Sportplätze von den Banken nur ungern als Sicherheit für das geliehene Kapital akzeptiert.

Mitgliederdarlehen in der Praxis umsetzen

Wie oben beschrieben, können Mitgliederdarlehen die Finanzierungsmöglichkeiten eines Vereins erweitern und ergänzend oder als Alternative zum klassischen Bankdarlehen genutzt werden. Mitunter stehen durch Mitgliederdarlehen größere Kreditsummen ohne erheblichen bürokratischen Aufwand schnell als Liquidität zur Verfügung. Durch die emotionale Bindung des Mitglieds zum Verein werden in der Regel moderate Zinssätze für den Kredit vereinbart, oder gleich ganz auf einen Zins verzichtet. In jedem Fall ist ein maximal transparenter Umgang mit dem Darlehen von Mitgliedern zu empfehlen. Das einzelne Darlehen geht schließlich nicht nur das geldgebende Mitglied und den Vereinsvorstand etwas an. Jedes Mitglied hat grundsätzlich ein berechtigtes Interesse über Häufigkeit und Ausmaß von Mitgliederdarlehen informiert zu werden. Also bloß nichts im Hinterzimmer „mauscheln“!

Da sich Vereine bei Mitgliederdarlehen schnell in einer Grauzone befinden, sollten vor dem Einwerben der Darlehen einige rechtliche Überlegungen erfolgen. Meist ist es sinnvoll die Mitgliederdarlehen als qualifizierte Nachrangdarlehen zu strukturieren. Dann muss der Verein auch keine banküblichen dinglichen Sicherheiten bieten und spart sich zudem die Eintragung im Grundbuch beim Notar.

Moment… warum qualifiziertes Nachrangdarlehen und was ist das? Ein kleiner Exkurs:

(Achtung: Es folgt ausdrücklich keine Rechtsberatung)

Hier wird es jetzt etwas technisch. Mit Sascha von Bankenmärchen.de hatten wir eine professionelle Unterstützung, die uns bei der verständlichen Erklärung von Nachrangdarlehen als Finanzierungsform half. Der Gesetzgeber qualifiziert die Entgegennahme von Darlehen in größerem Umfang grundsätzlich als erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft. Hierfür würde ein Verein eine Banklizenz benötigen. Das ist natürlich wenig praktikabel. In der Verwaltungspraxis werden für Vereine und Genossenschaften zwar einige Ausnahmen gemacht, diese gewähren allerdings keine umfassende Rechtssicherheit. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, um alle rechtliche Hitergründe im Detail zu verstehen, dem seien die beiden Artikel des Portals Perspektive Praxis sowie des Golfverbands Schleswig Holstein ans Herz gelegt.

Um gar nicht erst in rechtliche Graubereiche einzutauchen, können Vereine sogenannte qualifizierte Nachrangdarlehen entgegennehmen, ohne über eine Banklizenz zu verfügen. Die Darlehensverträge enthalten dann eine besondere Klausel (den qualifizierten Rangrücktritt), die den Darlehensgeber in den Eigenkapitalrang stellt und für den Verein insolvenzvermeidend wirkt. Das heißt, für die Mitglieder besteht das Risiko das investierte Geld nicht mehr wiederzubekommen, sollte der Verein in die Schieflage geraten und die Forderungen nicht mehr begleichen können. Deshalb ist eine saubere Projekt- und Finanzierungsplanung unabdingbar, um diese Art der Darlehen guten Gewissens an Mitglieder auszugeben. Außerdem macht es Sinn für den Anleger, mehrere kleine Darlehen zu vergeben und die Gesamtsumme und damit auch das Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen.

Jetzt da wir wissen was Mitgliederdarlehen sind und was sie können, lohnt sich ein Blick auf die Vor- und Nachteile dieser alternativen Finanzierungsform. Die folgende Tabelle zeigt die generellen Vorteile, sowie Fallstricke von Mitgliederdarlehen allgemein und qualifizierten Nachrangdarlehen im Speziellen.

Mitgliederdarlehen Vor- und Nachteile auf einen Blick

Vorteile Nachteile
Erweiterung der Finanzierungsmöglichkeiten des Vereins Korrekte rechtliche Ausgestaltung nicht einfach
Unbürokratische Abwicklung (vor allem bei qualifizierten Nachrangdarlehen) Rechtssicherheit unklar
Beteiligung und Begeisterung der Mitglieder für das Projekt Konfliktpotenzial bei intransparentem Umgang mit Mitgliederdarlehen
Bei qualifizierten Nachrangdarlehen
Verbesserung der Bonität (eigenkapitalähnlich durch qualifizierten Rangrücktritt) Totalverlustrisiko für die Anleger
Keine banküblichen Sicherheiten notwendig
Kein Einlagengeschäft (keine Banklizenz nötig)
Keine Notarkosten für Eintragung der Grundschuld

Mitgliederdarlehen plus X – nicht nur Mitglieder unterstützen Ihren Verein

Dass Vereine gesellschaftlich wertvolle Arbeit leisten, ist vielen Menschen bekannt. Vielleicht viel mehr Menschen als Ihnen bewusst ist. Wieso das Einwerben der Darlehen nur auf die Mitglieder beschränken, wenn man einen viel größeren Personenkreis erreichen kann? Über eine Online Plattform können Vereine ihre Projekte einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. So können Mitglieder und regionale Unterstützer gleichermaßen den Verein und seine Arbeit unterstützen. Private Anleger erhalten neben dem guten Gefühl etwas Großartiges unterstützt zu haben auch eine durchaus attraktive finanzielle Rendite für ihre Investition, die sie später eventuell spenden können. So verteilt der Verein das Risiko, aber auch die Begeisterung für das Projekt auf viel mehr Schultern und erhält zudem noch eine positive Außenwirkung.

Spielen Sie auch mit dem Gedanken eines Mitgliederdarlehens für Ihren Verein? Kommen Sie gerne auf uns zu. Wir erläutern Ihnen gerne den Vorteil der automatisierten Online Plattform sowie unsere zusätzlichen Services, die Ihr Ehrenamt entlasten. (Tobias Ungerer – Xavin GmbH: Tel: +49 163 885 98 06; E-Mail: info@xavin.eu)

Richtig eingesetzt können Mitgliederdarlehen also eine tolle Möglichkeit sein, wichtige Projekte im Verein schnell und flexibel zu finanzieren und zu realisieren. Wer eine gute Finanzplanung des Projekts aufstellt, auf eine saubere rechtliche Ausgestaltung der Verträge achtet und transparent mit dem Thema Mitgliederdarlehen umgeht, für den kann ein Finanzierung durch ein Mitgliederdarlehen eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zum klassischen Bankdarlehen darstellen. Über unsere Plattform Xavin erhalten Sie all diese Vorteile aus einer Hand und entlasten zudem den Arbeitsaufwand des ehrenamtlichen Vorstandes.

Bild von Tobias Ungerer
Autor: Tobias Ungerer
Tobias ist Gründer und Geschäftsführer von Xavin. Seit 2018 verfolgt er die Vision sozial nachhaltige Geldanlage in Deutschland zu ermöglichen.